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Thüringer Wald

Sehenswürdigkeiten im Thüringer Wald

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Oberhof ohne Schnee: eine Sportstadt als Zwischenstopp

Oberhof ist der einzige Ort, der oben auf dem Kamm wirklich Stadtcharakter hat, und er ist ganz und gar auf den Winter gebaut. Das sieht man auch im Juli: breite Zufahrten, überdimensionierte Parkflächen, Hotelbauten in einer Größe, die in einem 800-Meter-Waldort sonst nichts zu suchen hätte, dazu Sportinternate, Trainingszentren und Hallen. Wer aus dem Tal heraufkommt, fährt aus dem Wald direkt in einen Sportcampus.

Im Sommer arbeitet dieser Campus weiter. Skilangläufer und Biathleten trainieren auf Asphaltrunden mit Rollski, weshalb man auf den Zufahrtsstraßen und Nebenstrecken rund um den Ort jederzeit mit trainierenden Gruppen rechnen muss — das ist kein Freizeitverkehr, sondern Alltagsbetrieb, oft in Blöcken und mit Begleitfahrzeugen. Dazu kommt die Skihalle, in der ganzjährig auf Schnee trainiert wird und die auch Besuchern offensteht. Für eine Motorradpause heißt das: gute Versorgung, verlässliche Öffnungszeiten auch außerhalb der Saison, aber kein stiller Bergort.

Der zweite Punkt ist der Verkehr. Oberhof ist ein Ausflugsziel mit eigener Anziehungskraft, unabhängig vom Motorrad. An schönen Wochenenden staut sich Pkw-Verkehr auf den Kammzufahrten, Reisebusse rangieren an den Parkflächen, Fußgänger queren zwischen den Sportanlagen. Wer die Querstrecken in diesem Abschnitt zügig fahren will, plant sie an einen Werktagvormittag und nutzt den Ort selbst als das, was er im Sommer am besten kann: Tankstopp, Kaffee, Wetterentscheidung.

Kultur & Sagen

Sagen des Thüringer Waldes rund um den Rennsteig

Der Thüringer Wald ist eine alte Sagenlandschaft, und die meisten Geschichten hängen an den markanten Bergen und Burgen entlang der Hauptstrecken. Was folgt, ist Überlieferung und kein Geschichtsbuch — wo ein historischer Kern belegt ist, steht er dabei.

Die Hörselberge nördlich des Hörseltals bei Eisenach galten über Jahrhunderte als Sitz von Göttern und Geistern. Mit dem sogenannten Hörselloch, einer Felsöffnung am Berg, verbindet sich ein alter Frau-Holle-Kult. Der Sage nach wurde dieser Berg später mit dem Venusberg der Tannhäuser-Sage gleichgesetzt: Dort soll Frau Venus in ihrer Grotte gehaust und christliche Ritter verführt haben. Dieser Stoff wurde zur Vorlage für Richard Wagners Oper „Tannhäuser". Höhlen am Großen Hörselberg tragen bis heute Namen wie Tannhäuserhöhle und Venushöhle. Eine Anmerkung, weil hier oft etwas durcheinandergerät: Der berühmte Frau-Holle-Teich liegt nicht im Thüringer Wald, sondern auf dem Hohen Meißner in Nordhessen — der Thüringer Aufhänger ist allein der Frau-Holle- und Venusberg-Kult am Hörselberg.

Auf der Wartburg spielt die wohl bekannteste Thüringer Legende: Der Sage nach soll Martin Luther, der hier im Winter 1521/22 als „Junker Jörg" im Exil lebte und das Neue Testament ins Deutsche übersetzte, vom Teufel gestört worden sein und das Tintenfass nach ihm geworfen haben. Ein Tintenfleck an der Wand soll zurückgeblieben sein. Historisch ist das nicht belegt — Luther selbst schwieg dazu, schriftliche Hinweise tauchen erst Generationen später auf, und der Ursprung der Geschichte liegt vermutlich gar nicht auf der Wartburg. Als Legende erzählt gehört sie aber fest zum Ort. Der historische Kern dahinter ist real: Luthers Bibelübersetzung auf der Burg, deren erste Druckausgabe im September 1522 erschien.

Quer durch das Thüringer Bergland zieht sich der Sagentyp der Venezianer oder Venedigermännchen. Der Sage nach kamen fremde, südländische Männer — auch „Walen" oder „Welsche" genannt — in die Berge, um heimlich nach Erz, Gold und seltenen Mineralien zu suchen. Weil sie eine unverständliche Sprache sprachen und sich an abgelegenen Felsen zu schaffen machten, schrieben ihnen die Einheimischen geheimnisvolle, fast zauberische Fähigkeiten zu. In Thüringen heißen sie oft „Erzmännlein". Es handelt sich um einen verbreiteten regionalen Sagentyp, nicht um eine einzelne, ortsfeste Geschichte — wer die Berge des Thüringer Waldes durchfährt, bewegt sich aber genau durch jene Felslandschaft, die solche Schatzsuchersagen einst hervorgebracht hat.

Sehenswert

Wartburg, Lauschaer Glas und Schieferpark: Stopps für Regentage im Thüringer Wald

Das Wetter schlägt am Kamm schnell um, und dann ist der Wechsel vom Sattel ins Trockene die bessere Entscheidung. Die Region hat dafür eine Reihe von Handwerks- und Geschichtsorten, die alle unter Dach liegen.

Erste Adresse ist die Wartburg bei Eisenach, seit 1999 UNESCO-Welterbe. Sie ist nicht nur Luther-Gedenkort, sondern auch ein Zentrum mittelalterlicher Hofkultur: Unter Landgraf Hermann I., gestorben 1217, versammelten sich hier Dichter wie Walther von der Vogelweide. Der vielzitierte „Sängerkrieg" auf der Wartburg ist allerdings literarische Legende und kein historisches Ereignis. Die heilige Elisabeth lebte zwischen 1211 und 1228 auf der Burg. Eine Führung füllt locker einen Regennachmittag.

Das vielleicht eigenständigste Handwerk der Region findet sich in Lauscha, dem Geburtsort des gläsernen Christbaumschmucks. Der Überlieferung nach blies hier um 1847 ein Lauschaer Glasbläser die ersten Christbaumkugeln aus buntem Glas — der Name des Erfinders ist nicht gesichert überliefert; die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1848. Das Museum für Glaskunst Lauscha zeigt historischen Baumschmuck von den 1860er Jahren bis heute und gibt Einblick in die Glasbläserei. Wer eine laufende Werkstatt sehen will, ist hier richtig — ein klassischer überdachter Stopp.

Thüringen war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Porzellanregionen Europas; zeitweise gab es im Land Hunderte von Manufakturen. Ein bekannter Name ist die Porzellanfabrik in Kahla, gegründet 1844 und später eine der größten des Landes. Zur korrekten Einordnung: Kahla liegt im Saaletal südlich von Jena, also am Rande, nicht mitten im Thüringer Wald — wer das Thema vertiefen will, folgt der ausgeschilderten „Thüringer Porzellanstraße".

Ein eigenes Kapitel ist der Schiefer. Im Thüringer Schiefergebirge, dem südöstlichen Anschluss an den Thüringer Wald, wurde über Jahrhunderte Dachschiefer gebrochen. Der Schieferpark Lehesten bei Saalfeld bewahrt eines der einst größten Schiefer-Tagebaugebiete Europas. Der Abbau reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück; in der Blütezeit zwischen 1870 und 1910 arbeiteten hier bis zu 2.500 Menschen, bevor 1999 Schluss war. Heute ist das Areal ein technisches Denkmal mit Führungen und geologischem Lehrpfad. Auch dieser Ort liegt streng genommen im Schiefergebirge, nicht im Wald im engeren Sinn — als Tagesziel bei Dauerregen aber gut erreichbar.

Wer mit Familie oder bei wirklich garstigem Wetter etwas Interaktives sucht: Die Explorata-Mitmachwelt in Zella-Mehlis ist ein Science-Museum mit über hundert Experimentierstationen auf mehr als 1.300 Quadratmetern — komplett indoor und ausdrücklich für Regentage gedacht. Auch das Informationszentrum des Biosphärenreservats in Schmiedefeld am Rennsteig bietet eine wettergeschützte Ausstellung zur Natur der Region.

Sehenswert

Beerberg, Rennsteig und die Talsperren: Naturstopps am Kamm

Zwischen den Kurven liegt eine zusammenhängende, hohe und stille Mittelgebirgslandschaft. Die folgenden Naturpunkte lohnen den Halt — einige davon erreicht man allerdings nur zu Fuß.

Der höchste Punkt der Region ist der Große Beerberg mit 982,9 Metern, gerundet 983 Metern — die höchste Erhebung des Thüringer Waldes und zugleich höchster Berg Thüringens. Der eigentliche Gipfel liegt im Biosphärenreservat und ist aus Naturschutzgründen gesperrt; der höchste zugängliche Punkt ist die Aussichtsplattform „Plänckners Aussicht" auf 973 Metern. Direkt benachbart, nur wenige Meter niedriger, steht der Schneekopf mit 978 Metern, der zweithöchste Berg Thüringens. Beide sind über Wander- und Mountainbikewege erschlossen, nicht mit dem Motorrad — das bleibt an einem der Kammparkplätze stehen.

Das verbindende Element der gesamten Landschaft ist der Rennsteig, ein historischer Kammweg von etwa 169 Kilometern Länge. Er führt von Hörschel an der Werra, einem Ortsteil von Eisenach, über den Thüringer Wald und das Schiefergebirge bis nach Blankenstein an der Saale. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1330. Der Rennsteig ist ein Wanderweg, keine Straße — für Motorradfahrer ist er die ständige Orientierungslinie, an der sich die schönsten Begleitstrecken auf parallelen Landstraßen entlangziehen.

Zwei Talsperren setzen landschaftliche Akzente am Nordhang. Die Ohra-Talsperre bei Luisenthal im Landkreis Gotha ist eine Trinkwassertalsperre, die über 400.000 Menschen in Mittelthüringen versorgt und zugleich dem Hochwasserschutz dient; ihr Stauvolumen liegt bei rund 18 Millionen Kubikmetern. Die Talsperre Schmalwasser bei Tambach-Dietharz ist technisch bemerkenswert: Mit 76 Metern über der Talsohle besitzt sie Deutschlands höchsten Staudamm — einen Steinschüttdamm. Beide liegen in stiller Waldlage und eignen sich gut für eine ruhige Pause abseits der Hauptstrecke.

Schöne, oft ausgeschilderte Pausenplätze finden sich an den Kammparkplätzen entlang der L3247 und L1129, am Inselsberg sowie an den beiden Talsperren.

Die Leiter über den Kamm: warum hier quer gefahren wird

Der Thüringer Wald hat eine Fahrlogik, die man nach der ersten Tour verinnerlicht hat: Die Hauptrichtung des Gebirges ist für Motorradfahrer die uninteressanteste. Auf der Höhenlinie selbst liegt der Wanderweg, gefahren wird auf den Sprossen einer Leiter, die quer darüberliegen. Jede dieser Sprossen folgt demselben Ablauf — Talort, enger Bachgrund, Steilstück im Wald, Sattel, dann die Gegenseite hinunter. Wer eine Tagestour plant, hängt drei, vier solcher Sprossen aneinander und verbindet sie unten mit Talstrecken.

Daraus ergeben sich ein paar praktische Konsequenzen. Erstens stimmt das Verhältnis von Kartenlänge und Fahrzeit nicht: Fünfzig Kilometer mit zwei Kammquerungen dauern länger als hundert Kilometer im Vorland. Zweitens liegt die Infrastruktur unten. Tankstellen, Werkstätten und Einkaufsmöglichkeiten stehen in den Talstädten am Fuß des Gebirges, nicht an den Übergängen — oben gibt es Parkplätze, Wald und Ausflugsgastronomie. Wer mit knappem Tank in eine Kammrunde startet, fährt den Berg zweimal.

Drittens: Die Auffahrten sind kurz. Ein Anstieg dauert selten länger als zehn Minuten, dafür ist er selten langweilig. Es gibt keine langgezogenen Serpentinen mit freier Sicht über mehrere Kehren hinweg, sondern enge, unübersichtliche Kurvenfolgen im geschlossenen Bestand, oft mit feuchten Innenrändern und Laub- oder Nadelauflage am Fahrbahnrand. Das ist Wald-, nicht Alpencharakter. Wer den Rhythmus mitgeht — konzentriert bergauf, gelöst auf den Talstrecken — kommt hier besser voran als jemand, der eine Passfahrt erwartet.

Nordwestflanke und Südostflanke: zwei verschiedene Gebirge

Das Gebirge zerfällt fahrerisch in zwei Hälften, und sie fühlen sich unterschiedlich an. Die nordwestliche Hälfte zwischen dem Werratal und dem Raum Oberhof ist die schroffere: Der Kamm ist schmal, die Flanken fallen steil ab, die Orte kleben in engen Gründen, und die Auffahrten sind kurz und steil. Hier steht mit dem Großen Inselsberg auch der markanteste Einzelberg des ganzen Zuges frei über dem Vorland, aus dem Thüringer Becken weithin sichtbar. Die Ausflugsdichte ist hoch, an Wochenenden entsprechend der Verkehr.

Südöstlich davon, etwa ab dem Raum Ilmenau, wird der Kamm breiter und flacher. Statt eines scharfen Grats gibt es eine Hochfläche, auf der Orte liegen, die tatsächlich oben gebaut wurden statt unten im Tal — Rennsteigdörfer mit langen Straßenzeilen, Bushaltestellen und Winterdienstschildern. Die Straßen laufen dort über weite Strecken auf Höhe, mit weniger Höhenwechsel, aber langen, gleichmäßigen Kurvenfolgen durch Fichtenbestand. Für Fahrer, die lieber fließen als klettern, ist das der angenehmere Teil.

Auch die beiden Seiten des Kamms sind ungleich. Die Nordostflanke entwässert ins Thüringer Becken; ihre Täler sind länger, gestreckter und öffnen sich allmählich in eine Landschaft aus Feldern und Dörfern. Die Südwestflanke bricht kürzer und schroffer zur Werra und in Richtung Franken ab, mit steileren Zufahrten und einem schnelleren Wechsel von Wald zu offenem Land. Wer beide Seiten an einem Tag fährt, hat den Eindruck, zwei Reviere besucht zu haben — der Kamm ist eine echte Grenze, nicht nur eine Linie auf der Karte.

Suhl und Zella-Mehlis: Büchsenmacher, Simson und was davon geblieben ist

Die beiden Städte am Südhang sind keine Kulisse, sondern Industriegeschichte, und die hat einen direkten Bezug zum Zweirad. Suhl war seit dem 16. Jahrhundert eine der wichtigsten Waffenschmieden Mitteleuropas. Die Voraussetzungen lagen im Gebirge selbst: Erz aus der Umgebung, Holzkohle aus den Wäldern, Wasserkraft in den engen Bachtälern für Hämmer und Schleifwerke. Über Jahrhunderte entstand ein dichtes Netz spezialisierter Handwerksbetriebe — Laufschmiede, Schäfter, Graveure —, aus dem Namen hervorgingen, die bis heute in der Jagd- und Sportwaffenwelt bekannt sind. J. P. Sauer & Sohn wurde 1751 in Suhl gegründet und ging nach 1945 nach Eckernförde; Merkel baut bis heute in Suhl. Im benachbarten Zella-Mehlis gründete Carl Walther 1886 seinen Betrieb, der nach dem Krieg nach Ulm verlagert wurde.

Für Motorradfahrer ist die interessantere Linie Simson. Die Brüder Löb und Moses Simson stiegen 1856 in Suhl ins Waffengeschäft ein, das Werk baute später auch Fahrräder und Automobile. Nach 1945 wurde daraus ein volkseigener Betrieb, der Jagdwaffen und Fahrzeuge unter einem Dach fertigte. Von hier kam ab 1950 die AWO 425, das einzige Viertakt-Serienmotorrad der DDR mit Kardanantrieb, und ab 1964 die Schwalbe KR 51 — jener Kleinkraftrad-Typ, der ganze Jahrgänge motorisiert hat und dessen Ersatzteilszene bis heute lebt. 2003 endete die Produktion in der Insolvenz.

Wer das nachvollziehen will, findet in Suhl beides museal aufbereitet: die Waffentradition der Stadt und, in einer eigenen Fahrzeugsammlung, die Zweirad- und Automobilgeschichte des Werks. Beides sind überdachte Ziele und liegen unten im Tal, gut erreichbar von den Kammquerungen aus.

Glas und Porzellan in den Seitentälern

Die zweite große Industrie des Gebirges saß dort, wo es am unwirtlichsten ist: hoch oben in den Seitentälern. Der Grund ist derselbe wie bei den Schmieden — Holz im Überfluss, Quarzsand und Wasser. Glashütten wanderten mit dem Brennholz, weshalb die Glasorte nicht am Rand, sondern mitten im Wald liegen, in Gründen, in die man von der Kammstraße hinunterfährt.

Ältester und bekanntester dieser Orte ist Lauscha, wo 1597 die Hütte gegründet wurde und daraus über Generationen ein eigenes Berufsbild entstand: Lampenglasbläser, die vor der Flamme arbeiten statt vor dem Ofen. Aus dieser Technik kamen Thermometer, Glasperlen, Murmeln und, als besondere Spezialität, künstliche Augen — Lauschaer Glasaugen waren jahrzehntelang ein weltweit gehandeltes Produkt. Ähnlich glasgeprägt ist Stützerbach am Osthang, wo Goethe bei Glasmacherfamilien verkehrte und die Verbindung von Handwerk, Hütte und früher Naturforschung noch ablesbar ist.

Östlich und südöstlich schließt die Porzellanlandschaft an. In Ilmenau entstand 1777 eine Manufaktur, aus der eine der großen thüringischen Porzellanfabriken wurde; in den Tälern Richtung Schwarza reihen sich Orte wie Volkstedt, Sitzendorf und Wallendorf, in denen seit dem 18. Jahrhundert gedreht, gegossen und bemalt wurde. Fahrerisch ist dieser Landstrich eine eigene Kategorie: schmale Straßendörfer entlang des Bachs, Häuser hart an der Fahrbahn, Tempo-30-Abschnitte, dazwischen kurze, steile Verbindungen über die Höhe zum nächsten Tal. Zügig fährt man hier nicht, dafür ist die Dichte an Ortsbildern hoch.

Stauseen am Nordhang und der Übergang ins Schiefergebirge

Die Nordostflanke ist Thüringens Wasserspeicher. Die engen, waldreichen Gründe eignen sich zum Aufstauen, und mehrere große Talsperren versorgen von hier aus das Vorland mit Trinkwasser — die Ohra-Talsperre bei Luisenthal und die Schmalwasser-Talsperre bei Tambach-Dietharz sind die bekanntesten, auf der Südseite kommt die Talsperre Schönbrunn im Raum Schleusingen dazu. Für die Tourenplanung ist die Konsequenz wichtiger als die Technik: Trinkwassertalsperren stehen unter Schutzzonen. Es wird nicht gebadet, nicht gebootet, das Ufer ist über weite Strecken gar nicht zugänglich, und ein Teil der Forstwege im Einzugsgebiet ist gesperrt. Angefahren wird an definierten Punkten — Damm, Parkplatz, Aussicht —, alles andere bleibt Wald.

Am Südostende hört der Thüringer Wald nicht auf, sondern wechselt das Gestein. Aus den Porphyr- und Granitkuppen wird Schiefergebirge: dunklere Hänge, tiefer eingeschnittene Täler, Dächer und Fassaden aus gespaltenem Stein, ganze Orte in Grau. Der Höhenweg läuft über diese Grenze hinweg weiter bis zur Saale, und Motorradfahrer folgen ihm sinnvollerweise, denn hier liegt die logische Verlängerung jeder Kammtour. Das Schwarzatal zieht sich vom Gebirge zur Saale hinunter, mit Schloss Schwarzburg über dem Tal — dort unterzeichnete Friedrich Ebert 1919 die Weimarer Reichsverfassung — und der Oberweißbacher Bergbahn, die zwischen Obstfelderschmiede und Lichtenhain den Hang überwindet. Weiter östlich stauen die Talsperren der Saalekaskade den Fluss zum Hohenwarte-Stausee auf, dessen Uferstraßen ein eigenes, deutlich einsameres Kurvenrevier bilden. Wer Zeit für einen Regentag braucht: Die Feengrotten bei Saalfeld, ein ehemaliges Alaunschieferbergwerk mit farbigen Sinterbildungen, liegen genau an dieser Nahtstelle.

Inselsberg, Wartburg und Drachenschlucht: die Ziele am Weg

Neben den Kurven hat der Thüringer Wald eine Reihe von Zielen, für die sich der Halt lohnt. Die meisten liegen direkt an oder kurz neben den Hauptstrecken, sodass sich Fahren und Sehen ohne große Umwege verbinden lassen.

Der Große Inselsberg ist mit 916 Metern die markanteste und weithin sichtbare Erhebung des westlichen Thüringer Waldes. Wichtig zur Einordnung: Er ist nicht der höchste Berg Thüringens — das ist der Große Beerberg mit knapp 983 Metern —, aber durch seine freistehende Lage der auffälligste. Der Rennsteig läuft direkt über den Gipfel. Oben steht ein 21 Meter hoher Aussichts- und Erlebnisturm mit 360-Grad-Panorama, das bei klarer Sicht bis zur Wasserkuppe in der Rhön und zum Brocken im Harz reicht. Im Turm finden sich Ausstellungsbereiche, unter anderem zum UNESCO Global Geopark Thüringen, sowie Teile der Original-Übertragungstechnik des früheren Fernmeldeturms. Die Zufahrt erfolgt über die Stichstraße ab der L1024; Parkplätze liegen unterhalb des Gipfels an der „Grenzwiese".

Oberhof ist das Wintersportzentrum Thüringens und auch ohne Schnee einen Halt wert. Direkt am Hauptkamm, bei 814 Metern unweit des Grenzadlers, liegt die LOTTO Thüringen ARENA am Rennsteig — das Biathlon-Stadion, das jährlich den Weltcup austrägt und als einer der zuschauerstärksten Schauplätze der Sportart gilt. Der Rennsteig verläuft nur rund 200 Meter südlich der Anlage. Backstage-Führungen durch die Arena werden angeboten. Oberhof ist gut über die L3247 angebunden, Parkmöglichkeiten gibt es an den Sportanlagen reichlich.

Über Eisenach steht die Wartburg, seit 1999 UNESCO-Welterbe und die erste deutsche Burg auf dieser Liste. Sie liegt auf einem Felssporn rund 410 Meter hoch, südwestlich oberhalb der Stadt, und ist von dort gut ausgeschildert. Ein Parkplatz liegt etwa auf halber Höhe; von dort sind es rund 500 Meter Fußweg hinauf zum Eingang, alternativ verkehrt ein Shuttlebus. Die Burg ist über die B19 bequem erreichbar und der natürliche Startpunkt vieler Touren im Westen.

Die Drachenschlucht am südlichen Stadtrand von Eisenach ist eine enge Klamm zwischen Wartburg und dem Forstort Hohe Sonne, parallel zur B19. Auf rund drei Kilometern führt der Pfad durch im Sommer moosbewachsene, im Winter vereiste Felswände; an der engsten Stelle ist der Weg nur etwa 70 Zentimeter breit. Ein Durchgang dauert etwa eine Stunde. Bei Sturm, Starkregen oder Eisbildung kann die Schlucht kurzfristig gesperrt werden. Wanderparkplätze liegen am Eingangsbereich nahe der Hohen Sonne.

Der Falkenstein bei Tambach-Dietharz ist ein freistehendes Porphyr-Felsmassiv im Schmalwassergrund, nördlich der Schmalwasser-Talsperre. Mit einer Talseite von 96 Metern Höhe ist er der bedeutendste freistehende Kletterfels Thüringens und als Naturdenkmal geschützt. Erreichbar ist er über Wander- und Mountainbikewege; das Motorrad bleibt am Talparkplatz. Der Abstecher verbindet sich gut mit der Runde um Tambach-Dietharz und die Schmalwasser-Talsperre.

Botanisch bemerkenswert ist der Rennsteiggarten Oberhof, Deutschlands höchstgelegener botanischer Garten, angelegt um den Pfanntalskopf in Kammlage auf rund 860 Metern. Auf etwa sieben Hektar wachsen rund 4.000 Pflanzenarten aus den Gebirgen Europas, Asiens, Nord- und Südamerikas, Neuseelands und der Arktis — der größte und artenreichste Alpengarten des Landes. Gegründet 1970 auf einem ehemaligen Steinbruchgelände, ist er ein lohnender Stopp gerade dann, wenn das Wetter zu wechselhaft für lange Etappen ist. Parkplätze liegen direkt am Eingang an der Kammstraße.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Großer Inselsberg (916,5 m)

Der weithin sichtbare Hausberg des westlichen Thüringer Waldes. Vom 21 Meter hohen Erlebnisturm reicht der 360-Grad-Blick über den Kamm, bei klarer Sicht bis zum Brocken im Harz.

Anfahrt
Über die Kammstraße zwischen Bad Tabarz und Brotterode; auf den letzten rund 1,5 km zweigt eine eigene Bergstraße zum Gipfel ab.
Motorrad-Parken
Großer kostenloser Parkplatz kurz unter dem Gipfel, für Motorräder reichlich Platz.
Öffnungszeiten
Erlebnisturm täglich 10–16 Uhr, Eintritt 2 € (Gipfelbereich frei zugänglich).
Höhe/Aussicht
916,5 m; 21-Meter-Aussichtsturm mit 360-Grad-Panorama.

Wartburg über Eisenach

Deutschlands erste Burg auf der UNESCO-Welterbeliste (seit 1999). Hier übersetzte Martin Luther 1521/22 im Exil das Neue Testament ins Deutsche; die Anlage zählt zu den besterhaltenen Burgen des deutschen Mittelalters.

Anfahrt
Am Westrand des Gebirges bei Eisenach, erreichbar über die B 19 / B 84 und die A 4; aus der Stadt hinauf zum Burgsporn.
Motorrad-Parken
Wanderparkplätze unterhalb der Burg (Eselsstation); der letzte, steile Anstieg führt zu Fuß oder per Pendelbus hinauf.
Öffnungszeiten
Bis 1. Nov. 2026 täglich 10–17 Uhr (letzter Einlass), Außengelände bis 20 Uhr; 2. Nov. 2026–31. März 2027 täglich 9:30–15:30 Uhr.

Kickelhahn mit Goethehäuschen (861 m)

Der Hausberg von Ilmenau am Ostende des Kamms. Im nahen Goethehäuschen schrieb Goethe 1780 „Wandrers Nachtlied“ – „Über allen Gipfeln ist Ruh“; der steinerne Aussichtsturm von 1855 gibt den Rundblick über den östlichen Kamm frei.

Anfahrt
Ab Ilmenau (erreichbar über B 88 / B 87) über die Waldstraße Richtung Gabelbach; die oberste Auffahrt ist Waldweg, der Gipfel wird zu Fuß erreicht.
Motorrad-Parken
Wanderparkplatz Gabelbach / Herzogröder Wiesen, von dort rund 1 km bergauf.
Öffnungszeiten
Aussichtsturm und Gipfelbereich frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
861 m; 21-Meter-Turm mit 107 Stufen.

Rennsteiggarten Oberhof

Botanischer Berggarten direkt am Kamm mit rund 4.000 Gebirgspflanzenarten aus aller Welt auf sieben Hektar – ein markanter Stopp mitten auf dem Rennsteig-Höhenzug.

Anfahrt
Am Rennsteig bei Oberhof, rund 1,5 km südwestlich des Ortes an der L 3247 (frühere B 247) zwischen Gotha und Suhl; Abzweig Rondell.
Motorrad-Parken
Parkplatz Rondell / Rennsteiggarten direkt am Eingang.
Öffnungszeiten
18. April–30. Sept. 2026 täglich 10–18 Uhr, 1. Okt.–1. Nov. 2026 täglich 10–17 Uhr.
Höhe/Aussicht
auf dem Kamm rund 830–868 m (am Pfanntalskopf).

Talsperre Schmalwasser bei Tambach-Dietharz

Der rund 76 Meter hohe Steinschüttdamm ist der höchste Staudamm Deutschlands und staut bis zu 21 Mio. m³ Wasser im bewaldeten Schmalwassergrund – ein ruhiger Foto-Stopp abseits der Kammstraßen.

Anfahrt
Ab Tambach-Dietharz ins Schmalwassergrund; die Staumauer liegt rund 3 km taleinwärts, das letzte Stück per Wanderweg oder Schmalwasser-Express (Zufahrt für Kfz gesperrt).
Motorrad-Parken
Parkplatz in Tambach-Dietharz am Taleingang.
Öffnungszeiten
Umgebung und Rundweg frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
Staumauer rund 76 m – höchster Staudamm Deutschlands.

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