
Über den Thüringer Wald - Frühlingstour ab Erfurt
Man glaubt es kaum, selbst wenn man sein Motorrad am Stadtrand von Erfurt sattelt, kann man traumhafte Touren starten - eine davon führt über den wundervollen Thüringer Wald & retour!
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Der Motorrad-Guide im Thüringer Wald: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Der Thüringer Wald zieht sich als schmaler Mittelgebirgskamm rund 70 Kilometer in nordwest-südöstlicher Richtung durch das Zentrum Thüringens – vom Werratal bei Eisenach bis zu den Tälern von Schleuse und Wohlrose südöstlich von Ilmenau. Breit ist das Gebirge nie: An seiner schmalsten Stelle nahe Eisenach misst es kaum sieben Kilometer, bei Gehren gut vierzehn. Auf gut tausend Quadratkilometern staffeln sich bewaldete Kuppen, von denen der Große Beerberg mit 982,9 Metern die höchste ist, gefolgt vom Schneekopf (978 m), dem Großen Finsterberg (944 m) und dem weithin sichtbaren Großen Inselsberg (916,5 m). Für Motorradfahrer zählt weniger die absolute Höhe als das Relief dazwischen: enge Täler, kurze steile Auffahrten und ein Kamm, über den jede Achse quer hinwegführt.

Ordnendes Rückgrat ist der Rennsteig, der historische Kammweg entlang der gesamten Höhenlinie – rund 169 Kilometer von Hörschel an der Werra bis Blankenstein an der Saale, als Grenz- und Handelsweg erstmals 1330 erwähnt. Gefahren wird er nicht, aber er markiert die Wasserscheide, an der sich das Revier gliedert: Wer von Norden aus dem Thüringer Becken kommt, arbeitet sich durch die Täler zum Kamm hinauf, quert oben bei Oberhof, an der Schmücke oder am Inselsberg und rollt auf der Südseite Richtung Franken wieder ab. Dieser ständige Wechsel aus Anstieg, Passlage und Abfahrt gibt den Touren ihren Rhythmus.
Die tragenden Achsen sind schnell benannt. Die L 3004 führt von Ilmenau über Manebach und Stützerbach auf den Kamm, wo sie an der Kreuzung Rennsteig auf die B 4 Richtung Eisfeld und Coburg trifft; seit die A 71 den Fernverkehr abzieht, ist die Achse wenig befahren. Über den zentralen Kamm zwischen Gotha und Suhl läuft die alte B 247 über Oberhof, heute zur L 3247 heruntergestuft, seit der 7.916 Meter lange Rennsteigtunnel der A 71 – der längste Straßentunnel Deutschlands – den Durchgangsverkehr unter dem Gebirge hindurchschleust. Auf der Westseite verbindet die B 19 Eisenach und Meiningen entlang der werranahen Täler, die B 62 zieht über Bad Salzungen und Schmalkalden am Südwestrand entlang, und im Osten fädelt die B 88 den Raum um Ilmenau auf. Dazu kommt die Kammstraße zwischen Bad Tabarz und Brotterode, die über den Sattel am Inselsberg wechselt.
Konkret wird der Kammcharakter an den einzelnen Übergängen. Von Gräfenroda steigt die Straße durch das enge Tal der Wilden Gera über rund achteinhalb Kilometer bergan, ehe sie an der Schmücke (942 m) den Kamm erreicht und weiter nach Oberhof führt. Die B 4 überquert den Rennsteig an der Kreuzung Rennsteig auf 758 Metern und fällt danach in gut einem Kilometer nach Schmiedefeld ab. Zwischen Bad Tabarz und Brotterode liegt der Sattel an der Grenzwiese, von dem eine Stichstraße zum Inselsberg abzweigt. Weil das Gebirge nur rund 70 Kilometer lang ist, lassen sich mehrere solcher Übergänge an einem Tag zu einer kompletten Kammquerung aneinanderreihen – die kurzen Distanzen sind Teil des Reizes.

Der Streckencharakter ist der eines echten Mittelgebirges: kein einziger langer Alpenpass, dafür eine hohe Dichte kurzer, verschachtelter Abschnitte. Geologisch prägen vulkanische Porphyrkuppen den Kamm – Finsterberg und Spitzer Berg als Einzelkegel, Schneekopf und Großer Beerberg als Doppelkuppen, die knapp unter der Tausend-Meter-Marke bleiben. Im Schwarzatal und in den Zuläufen der Wilden Gera reihen sich Kurven aller Radien über viele Kilometer, mal eng am Bachlauf, mal weit ausholend über Hangwiesen. Zwischen Friedrichroda, Tambach-Dietharz und Kleinschmalkalden verzahnen sich Auf- und Abfahrten so dicht, dass Distanzen auf der Karte kürzer wirken als die Fahrzeit ausfällt. Der Asphalt ist überwiegend gut, die Steigungen erreichen an den Kammauffahrten zweistellige Prozentwerte, und aus dem geschlossenen Fichten- und Buchenwald öffnen sich immer wieder Fernblicke – vom Inselsberg bis zum Brocken im Harz, an klaren Tagen bis zur Rhön.
Wer im Sommer aus dem warmen Vorland kommt, spürt oben den Höhenunterschied: Auf dem Kamm um 800 Meter ist es einige Grad kühler, der Wald spendet Schatten, und nach Schauern trocknet die Straße langsamer ab. Genau diese Höhenlage macht Oberhof zu einem der schneesichersten Wintersportorte der deutschen Mittelgebirge – für die Zweiradsaison heißt das: früh im Jahr liegen oben noch Restfeuchte und Streusplitt, während die Täler längst frei sind. Wer im April startet, legt die Kammquerungen deshalb besser auf den Nachmittag. Südlich des Kamms gehört das Vessertal zum UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald; Hochmoorflächen wie am Gipfel des Beerbergs stehen unter strengem Schutz und sind gesperrt – gefahren wird auf den Straßen ringsum, nicht hinein.
Was das Revier ausmacht, ist die Nähe der Gegensätze auf kleinem Raum. Innerhalb einer Tagestour lassen sich die schnelle B 4 über den Kamm, die verwinkelten Talstraßen des Schwarzatals und die Auffahrt zum Inselsberg verketten, ohne lange Verbindungsetappen. Als Ausgangspunkte dienen die Städte am Fuß des Gebirges – Eisenach und Schmalkalden im Westen, Suhl und Zella-Mehlis im Süden, Ilmenau im Osten –, von denen aus der Kamm in wenigen Kilometern erreicht ist. Dazwischen liegen die Ankerpunkte, die dem Thüringer Wald sein Gesicht geben: die Wartburg hoch über Eisenach am Westende, der Kickelhahn über Ilmenau am Ostende, dazu Oberhof mitten auf dem Kamm. Thüringen nennt sich „grünes Herz Deutschlands", und der Thüringer Wald ist dessen bewaldeter Kern – für Motorradfahrer übersetzt sich das in kurze Wege, dichte Kurven und einen Gebirgskamm, der auf jeder Achse ein anderes Gesicht zeigt.
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Masserberg, der recht hoch gelegene Ort im Thüringer Wald dürfte bei Motorradfans inzwischen Kultstatus erlangt haben. Dabei erscheint die Gesamtstrecke für engagierte Kurvenräuber sicher recht kurz.
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